Elisabetha Kapanadze (Georgien)

 

 

Es war kurz nach Mitternacht, als mir mein Gesangsprofessor, Herr Gehrke, eine Nachricht schrieb. Er teilte mir mit, dass ein Teilnehmer des Meisterkurses erkrankt ist und fragte mich, ob ich Interesse hätte, für diesen einzuspringen. Zuerst hatte ich gemischte Gefühle - einerseits wollte ich natürlich unbedingt mitmachen, um neue Erfahrungen zu sammeln. Andererseits wusste ich jedoch, dass ich es mir finanziell nicht leisten könnte. Doch zu meiner großen Überraschung habe ich erfahren, dass ich durch Frau Dr. Konaga finanziell unterstütz werden würde. Ich konnte mein Glück kaum fassen und ihr nicht genug danken. Daraufhin packte ich meinen Koffer und machte mich auf den Weg nach München.

 

Als ich dort ankam, wurde ich von der schönen großen bayrischen Hauptstadt überwältigt! Jeden Tag nahm ich extra die Straßenbahn, die vom Max-Weber-Platz vorbei an tollen Geschäften, Cafés und Museen bis zum Stainwayhaus fährt. Auf dieser Strecke liegt auch das Nationaltheater und während die Sonnenstrahlen in die Tram fielen, träumte ich davon, eines Tages dort singen zu dürfen.

 

Der erste Kurstag begann mit einer Unterrichtsstunde bei meinem jetzigen Gesangsprofessor Michael Gehrke. Obwohl ich gesundheitlich noch nicht ganz fit war und nicht mein Bestes zeigen konnte, wurde ich von ihm motiviert, indem er mir Mut zusprach. Ich fühlte mich sofort besser, die Aufregung fiel ab und ich begann diese Art öffentlichen Unterrichts zu genießen.

 

Am zweiten Tag war sie jedoch wieder da - die liebe Aufregung, denn jetzt begann die Arbeit mit Herrn Professor Uecker. Er war sehr genau und kannte somit jede Note, jeden Rhythmus und jede Verzierung des großen Opernrepertoires. Seine Hinweise an die Sänger hatten stets damit zu tun, genauer mit den Noten umzugehen. Er ist ein unglaublicher Pädagoge: sehr warmherzig, geduldig, humorvoll und stets darauf bedacht, dass Beste aus jedem Sänger herauszuholen. So verging diese wunderbare Stunde mit ihm, in welcher er mir sagte: „Du musst groß auf der Bühne sein! Deine Stimme muss den Raum ausfüllen – Du musst dich mehr öffnen.“ Mit seiner ansteckenden Energie versetzte er mich in einen ganz anderen Zustand. Tatsächlich erklang meine Stimme sofort mit einer ganz neuen Qualität und Inspiration. Nach dem Unterricht gab es ein sehr hilfreiches Einzelgespräch mit Herrn Uecker, welches mich über meinen zukünftigen Gesangsberuf positiv zum Nachdenken angeregt hat.

 

Die Stimmung zwischen den Professoren und Studenten während der Kurstage war sehr familiär. Sehr oft gingen wir ins Restaurant und diskutierten über die große Opernwelt. Jeder tauschte seine eigenen Erfahrungen, Gedanken und Ansichten über die Gesangstechnik mit den anderen aus. Interessant waren vor allem die schon erlebten Anekdoten der anderen, die ihnen wiederfahren sind. Wundervoll war auch das Abschlusskonzert. Auf der einen Seite war ich glücklich, vor einem Publikum singen zu dürfen, auf der anderen Seite auch etwas traurig, da sich die wunderbare Kurswoche dem Ende neigte. Mit feuchten Augen musste man sich von den neu gewonnenen Freunden und Gesangskollegen verabschieden.

 

Abschließend lässt sich sagen, dass mich dieser Meisterkurs für meine Zukunft als Opernsängerin deutlich weitergebracht hat. Ohne die großartige Hilfe von Frau Dr. Konaga wäre mir dieser jedoch verwehrt geblieben.